Das wahre Weihnachten

In der Schülerredaktion entstand folgende Geschichte von Marie

 -Das wahre Weihnachten –

„Hallo Gerd, mein Junge, da bist du ja. Schön dich zu sehen. Freust du dich schon auf Weihnachten? Bald ist es ja wieder soweit. Wirklich, und wie du mir das glauben kannst. Ist‘s doch kaum zu übersehen. Schau, der kostspielig funkelnde Schnee auf neulich beschneiten Skipisten. Und tausende, nein, Millionen von glänzenden Lichterketten markieren Sims und Giebel jedes Häuschens unseres sonst so verschlafenen Städtchens. Ein gutes Weihnachten, richtig märchenhaft, Gerd. Also so denkt sich das wenigstens die Envia. Ach was, tolle Weihnachten, so spiegeln es doch auch die halb vermummten Augen der Skisaisonsverrückten wider.

Aber … Ist es wirklich so schön und friedlich und freundlich? Sind wir glücklich? Leben wir in Frieden? … Ei, schau mich nicht so perplex an, Kleiner. Weißt du denn nicht, was ich meine? Nein? Gut, weißt du was, ich erzähl dir eine kleine Geschichte. Die Geschichte vom Weihnachtsoberhäuptlingswal.

Es war einmal ein Wal, und der, nun, der hegte ein recht gutes Verhältnis zum Stammeshäuptling der Blackfoot-Indianer im fernen Amerika hinter den Tiefen des großen, weiten Ozeans. – Ja du machst große Augen, Gerd? Staune ruhig, eines Tages wirst du sie bestimmt da besuchen. Aber warte, es wird doch erst interessant … – So führten die beiden also vor langer, langer Zeit weit, weit entfernt eine innige Freundschaft. Sie gingen zusammen baden an den verzaubernden Stränden Floridas, aßen Schokoeis mit Sahne und Blaubeeren und gruben Sandburgen. Als dieses ungleiche Paar dann mal spät abends zum städtischen Hotel wanderte, um eine Nacht bei romantischem Kerzenlicht zu verbringen, da staunte der Ober nicht schlecht. Er machte noch größere Augen als du gerade, Gerd. Er konnte ja seinen Augen nicht trauen. Ein Häuptling und ein Wal in seinem kleinen, unwürdigen Hotel? Niemals … Er blinzelte, doch auch nach vermehrtem Augen schließen und wieder öffnen, lösten sich Wal und Häuptling nicht in Luft auf. „Ah verdammich, da brat mir doch einer ´nen Storch! So wat hab ich ja noch nie jesehn!“ tönte der Alte und schloss sich den beiden spontan an. So geschah es, dass die drei von nun an gemeinsam gesehen wurden.

Allmählich ging der Sommer seinem Ende entgegen und die flimmernde Hitze wich frostklirrender Kälte. Weihnachten stand vor der Tür. Und wo man einen Wal, einen Ober und einen Häuptling zusammen durch die Gassen flanieren sieht, kommt man sicherlich nicht mehr auf die Idee, auch noch den Weihnachtsmann zu hinterfragen. Denn der, vollbeladen mit sinnlosen Geschenken und völlig depressiv vom übermäßigen Stress, hockte verstört in seinem grob gezimmerten Schlitten. Hatte wohl ein paar Whiskys zu viel hinter die Binde gekippt. Als er nun die drei komischen Gestalten kommen sah, so glaubte er sich, nun man kann es ihm nicht verübeln, völlig wahnsinnig geworden. Mit vom Alkohol verdrehtem Blick stierte er in Richtung der Ankömmlinge und lallte irgendetwas von verlogener Welt und wie sinnlos er als Weihnachtsmann doch sei. Er leerte seinen Whisky auf ex und ging schwankenden Schrittes zu den Dreien. Eine herzliche Szene, wie sie sich in die Arme fielen gleich alten Bekannten.

Schade nur, dass man diese fantastischen Vier seitdem nicht mehr zu Gesicht bekam, was?

Ach Gerd, Kleiner, mach mal den Mund zu jetzt. Er ist so weit geöffnet, du könntest glatt den Weihnachtsoberhäuptlingswal mitsamt Hut und Schwanz verschlingen.

Aber, mein Junge, jetzt muss ich dir leider eines sagen. Ich habe dir gerade einen mächtigen Bären aufgebunden…und puff … Ist gerade die Seifenblase deiner kleinen, heilen Welt zerplatzt?

Denn, mein Lieber, mit der Geschichte des Weihnachtsoberhäuptlingswals ist es so, wie mit dem Weihnachtsfrieden, den man sich zeigen will mit romantischen Lichterketten und spaßigem gemeinsamem Toben im Schnee … Es gibt ihn nicht. Alles nur geheuchelt, Gerd, Weihnachten ist Geldmache, Stress und Schöne-Welt-Spiel.

Gerd, wenn du wirklich glücklich sein willst und mit deiner Familie in Frieden leben möchtest, dann hast du dafür das ganze Jahr Zeit. Nicht nur im Advent. Und an Weihnachten. Nein, immer, Gerd, immer. Vergiss es nie. Vergiss nie den Weihnachtsoberhäuptlingswal.

Und denke immer daran: Weihnachten sollte immer sein.“

2 Kommentare

  1. Laura Laura
    6. Januar 2018    

    Eine sehr schöne Geschichte! Sie sagt die Wahrheit aus, Weihnachten ist ein Friede-Freude-Eierkuchen- Fest! Alle haben sich mehr lieb als sonst, warum kann das denn nicht das ganze Jahr über sein?
    Wir Menschen sind doch nicht besser nur zur Weihnachtszeit….Die Geschichte öffnet etwas Wahres und zugleich steckt noch etwas tieferes hinter ihr.

  2. Marcus Marcus
    7. Januar 2018    

    Auch wenn es zwar sehr schön ist, wenn sich an an Weihnachten und in der Weihnachtszeit alle lieb haben und nett zueinander sind, sollte dies doch eigentlich immer so sein.
    Daher finde ich die Geschichte sehr gelungen und schön, da sie genau das aussagt: man sollte immer nett und freundlich miteinander umgehen, egal zu welcher Jahreszeit.
    Wie schon in der Geschichte steht: Weihnachten ist nur noch reine Geldmacherei und Stress.
    Deswegen sollte man sich die Geschichte zu Herzen nehmen, und der Abschlusssatz der Geschichte könnte nicht treffender sein: „Weihnachten sollte immer sein.“

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